Die unheilvolle Ersatztheologie
Ludwig Schneider, Gründer von Israel Heute, Dezember '09-Ausgabe

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau lehrte: "Es gibt für alles Ersatz!" Das stimmt nicht, denn für Leben gibt es keinen Ersatz. Daher bleibt Ersatz immer Ersatz. Ersatz kann nie das Echte ersetzen.

So kann auch das von Gott erwählte Volk durch kein anderes ersetzt werden. In 5. Mose 7,6 verkündet Gott, als Er das Volk Isarel erwählte:

"Du bist dem HErrn, deinem Gott, ein geheiligtes Volk; dich hat der HErr, dein Gott, aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind, zu seinem Eigentumsvolk auserwählt."

Wem dies zu ungenau ist, weil er sich fragt 'was geschieht denn mit den anderen, besonders mit Ismael, der ja auch ein direkter Nachkomme Abrahams ist?', der sollte den Text des Bundesvertrages lesen, den Gott mit Israel schloss: "Ismael will ich segnen und fruchtbar werden lassen und ihm eine zahlreiche Nachkommenschaft verleihen und zu einem großen Volk machen. Jedoch meinen Bund will ich mit Isaak aufrichten" (1. Mose 17,21).

Isaak ist der Vater des Jakob, den Gott später in Israel-Gottesstreiter umbenannte (1. Mose 32,29 und 35,10). So präzisiert sich der Bund, den Gott in 1. Mose 15,18 mit Abram/Abraham gemacht hat, auf Jakob/Israel.

Dieser Bund aber ist ein unauflösbarer, ewiger Bund, denn "So hat der HErr gesprochen: So wenig der Himmel ausgemessen werden kann, und die Grundfesten der Erde erforscht werden, so wenig will ich auch die gesamte Nachkommenschaft Israels verwerfen wegen alles dessen, was sie begangen haben" (Jer. 31,36-37), d.h. Gottes Bund mit Israel ist auch dann noch gültig, wenn Israel versagt.

Das bekräftigt auch Paulus in Römer 9,4-5: "Den Israeliten gehören die Kindschaft, die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen und auch die Väter, und aus ihnen kommt Christus nach dem Fleisch."

Damit aber ist die Ersatztheologie, die sich in den 2000 Jahren der Kirchengeschichte wie ein Krebsgeschwür im Christentum eingenistet hat, nicht einverstanden. Die Ersatztheologie (Replacement Theology) stammt von nichtjüdischen Kirchenvätern, die zuerst eine aus Konstantinopel und später aus Rom stammende Theologie vertraten, die auch vor dem Protestantismus nicht Halt machte; sie versteht sich als das "Neue Israel", das für immer das jüdische Israel ersetzt.

Die Ersatztheologie geht soweit, dass sie lehrt: "Elohim, der grausame Gott des Alten Testamentes, der sogar die Tötung seines Sohnes zuließ, wurde seither durch den ewig liebenden und barmherzigen Sohn Jesus Christus ersetzt." Damit hat die Kirche des Sohnes das Volk des Vaters ersetzt.

So waren sich im Laufe der Kirchengeschichte alle Judenverfolger der Zustimmung ihrer Kirchenführer gewiss, denn nur so konnte der weltweite Völkermord am jüdischen Volk ohne nennenswerten Widerstand durchgeführt werden. Das wurde u.a. auf dem "Nürnberger Reichstag" 1933 deutlich, als mittels der Rassengesetze die Juden zu minderwertigen Menschen erklärt wurden, was mit Zustimmung der Kirche geschah.

Dadurch wurde die Hemmschwelle entfernt, sodass man "die Juden reinen Gewissens" umbringen konnte, weil sie ihrer Meinung nach von Gott für immer verworfen waren". Das war nicht nur in der Hitlerzeit so, sondern zog sich bereits durch die gesamte Geschichte, siehe Kreuzzüge, Inquisitionen, Pogrome, Zwangstaufen bis hin zum neuzeitlichen Iran, dessen Präsident Ahmadinejschad die Juden endgültig vom Erdboden vertilgen will, weil sie "nicht nur den Propheten Issa (Jesus) töteten, sondern auch den Propheten Mohammed beleidigten, indem sie sein Angebot, sich zum Islam zu bekehren, ablehnten und Juden blieben."

So ist die unheilvolle Ersatztheologie eine Theologie voller Unheil. Das ist mit der Grund dafür, warum Israel heute politisch bekämpft und boykottiert wird. Denn der Judenstaat darf ja nicht existieren, weil mit der Wiederentstehung Israels die Ersatztheologie ihre Begründung verliert, sollte doch das ihrer Meinung nach für immer und ewig verworfene jüdische Volk nie wieder nach Zion zurückkehren. Nicht der Holocaust war der Auslöser für die staatliche Wiedergeburt Israels - wie man immer sagt - sondern der unauflösbare Bund, den Gott seinem Volk Israel zugeschworen hat.

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