Chanukka
und sein prophetischer Aspekt
Birgit Barandica, Dezember 2007
(ergänzt und erweitert im Dezember 2011)

Der Herr ist mein Licht und mein Heil,
vor wem sollte ich mich fürchten?

Psalm 27,1


Im hebräischen Kalender beginnt Chanukka immer am 25. Kislew. In diesem Jahr (2011) entspricht das dem 21. Dezember im international gültigen gregorianischen Kalender (es variiert jedes Jahr). Das Fest dauert acht Tage. Der eigentliche Festbeginn ist jedoch schon am Vorabend - dieses Jahr also nach Sonnenuntergang am 20. Dezember. Nach dem hebräisch-biblischen Kalender beginnen alle Tage bei Sonnenuntergang des Vorabends: "Es wurde Abend und wieder Morgen - der erste Tag" (1. Mose 1,4).

Da Chanukka immer zeitnah zu Weihnachten stattfindet, wird es fälschlicherweise oft als 'jüdisches Weihnachtsfest' missverstanden und ignoranterweise vielfach sogar “Weihnukka” genannt. Doch mit Weihnachten hat es überhaupt nichts zu tun. Das hebräische Wort "Chanukka" bedeutet Hingabe, Einsegnung bzw. Einweihung. Das macht zunächst eine kurze Einführung über den Hintergrund dieser Feier notwendig:


Geschichtlicher Hintergrund
Chanukka gehört wie Purim nicht zu den in Leviticus
(3. Mose) 23 von Gott selbst vorgegebenen Festen, hat aber dennoch eine biblische Basis: so basiert Purim beispielsweise auf dem Buch Esther, wie sie ihr jüdisches Volk im babylonischen Exil vor den Machenschaften eines gefährlichen Antisemiten rettete und somit erreichte, dass sie ca. 520 v.Chr. nach Israel zurückkehren konnten. Dort bauten sie den 2. Tempel, nachdem der erste 70 Jahre zuvor von den Babyloniern zerstört worden war.

Chanukka hat ebenfalls einen biblischen Hintergrund, wenn auch apokryph: es basiert auf den Makkabäerbüchern und entstand in einer Zeit, in der zum wiederholten Mal versucht wurde, Israel zu zerstören. Auch diesmal war der (zweite) Tempel Stein des Anstoßes:

Ungefähr im Jahr 200 v.Chr. wurde das Land von den Seleukiden besetzt (Syro-Griechen), Antiochus III unterwarf es und etwas später versuchte Antiochus IV Epiphanes, die Juden per Gewalt mit der griechischen Denkart und Lebensphilosophie zu säkularisieren. Die Ausübung ihres Glaubens wurde verboten, Torahrollen zerstört, die Einhaltung des Schabbat, der Feste und der Beschneidung stand unter Todesstrafe.

Wäre die Säkularisierung gelungen, wäre das das Ende des Judentums gewesen. In diesem Wissen ist es ein typisch antisemitisches Gehabe, das man oft vor Ausbruch großer Judenfeindlichkeiten beobachten kann. Auch im gegenwärtig weltweit wieder anwachsenden Antisemitismus wird das Verbot der Beschneidung wieder vielerorts ernsthaft diskutiert...

Und wenn man den Gedanken der Säkularisierung fortführt, dann hätte Jeschua auch nicht kommen können - Er wäre nicht geboren worden und es hätte kein Christentum gegeben...

Doch der Feind versucht es halt immer wieder. Er verführt die Welt mit seinem Hass Gott gegenüber, benützt dafür alle möglichen und unmöglichen Personen und Situationen und dann kommen diese unseligen Verfolgungen und Progrome dabei heraus... So musste damals im Tempel Zeus angebetet werden, man opferte ihm Schweine und die Juden wurden gezwungen, dieses Fleisch zu essen. All dies geschah, um sie moralisch zu brechen...

Diese Demütigung löste unter ihnen die sogenannte Makkabäerrevolte aus, in der ein Priester namens Mattathias und seine Söhne federführend waren. Sein Sohn Judas mit dem Beinamen Makkabäus (Makkaba auf aramäisch = “Hammer”) übernahm die Führung. Er leitete mehrere kleine Feldzüge und eroberte letztendlich im Jahr 165 v.Chr. Jerusalem zurück. Auf den Tag genau drei Jahre, nachdem der Tempel entweiht worden war, wurde er komplett gereinigt und wieder seiner eigentlichen Bestimmung übergeben, also neu geweiht. Es geht u.a. also um den Sieg Weniger über viele!!

Dies ist der geschichtliche Hintergrund. Und dann erzählt man sich, dass die Wiedereinweihung des Tempels mit einem Wunder Gottes einherging (dem eigentlichen Grund der Feier):


Das Chanukka-Wunder
Im Tempel stand die Menora – ein siebenarmiger Leuchter, der immer brennen musste und nie ausgehen durfte. Er wurde mit einem dafür speziell geweihten Olivenöl befeuert, dessen Herstellung 8 Tage dauerte. Während der Tempelreinigung fand man zwar einen kleinen Krug mit geweihtem Öl, doch es reichte nur für einen Tag. Und hier beginnt das Wunder:

In ihrer “Nun-Erstrecht”-Haltung benutzten die Juden dieses Öl trotzdem und – siehe da: die Leuchter brannten die ganzen 8 Tage lang, während weiteres Öl auf gebräuchliche Weise hergestellt wurde! So feierte man zur Wiedereinweihung des Tempels gleichzeitig das Chanukkawunder, das seitdem ein jährlich wiederkehrendes Fest ist.

Zunächst wurde nur im Tempel gefeiert. In Jochanan (Johannes) 10,22 lesen wir, dass auch Jeschua dieses Fest feierte und dazu in den Tempel ging (was belegt, dass Er das Fest nicht abgeschafft hat!). Doch ab der endgültigen Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 n.Chr. durch die Römer, wodurch die Juden in alle Welt zerstreut wurden und bis 1948, der Neugründung des Staates Israel, in der sogenannten Diaspora leben mussten, begannen allmählich die familiären Chanukkafeiern in den Häusern, wie sie in ähnlicher Form bis heute bekannt sind.


Das Licht der Welt...
In Erinnerung an dieses Wunder benutzt man zu diesem Fest eine spezielle achtarmige Menora, die sogenannte Chanukkia: jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht Lichter brennen. Der nichtzählende, neunte Leuchter in der Mitte ist der sogenannte Schamasch (“Diener”), der erhöht steht. Nur an seinem Licht dürfen nach speziellen Segenssprüchen (Brachot) die anderen Lichter entzündet werden. Zuerst wird also der Schamasch entzündet und dann ganz rechts die erste Kerze. Am nächsten Tag stehen rechts 2 Kerzen, an jedem Tag eine mehr, wobei jedoch immer von links her angezündet wird:

Jeden Tag ein Licht mehr, von rechts her aufgestellt... ... und von links her angezündet.

Wenn die Kerzen brennen, stellt man die Chanukkia an ein zur Straße weisendes Fenster, damit Vorbeigehende vom Chanukkawunder erfahren und erkennen, dass es einen Neuanfang gibt. Es ist ein Zeugnis für das Licht Gottes, daher wird das Fest auch Lichterfest genannt. Es brennt nicht nur die Chanukkia, sondern viele Lichter. Kinder haben oft ihre eigene kleine Chanukkia.

Die original siebenarmige Menora, die Gott dem Mose während des Exodus in Auftrag gab, symbolisiert die Verheißung des Lichts, das durch den Gesalbten Gottes kommen sollte (siehe 2. Mose 25,31-40 und 37,17-24):


... Jeschua HaMaschiach!
Die Chanukkia symbolisiert jedoch nicht nur das Licht des Gesalbten, sondern durch den achten Arm auch den Neuanfang. Und der neunte Arm ist der Schamasch bzw. Diener, der die anderen Kerzen anzündet. Für uns Gläubige an Jeschua stellt er den Messias selbst dar: "Der Menschensohn kam nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben" (Matthäus 20,28)!

"Steh auf (Jerusalem) und leuchte! Denn dein Licht ist gekommen und die Herrlichkeit des Herrn erstrahlt über dir" (Jesaja 60,1).

Jeschua HaMaschiach (Jesus der Gesalbte) ist aber nicht bloß ein Diener, sondern Er selbst IST das Licht, das die Welt mit der Verheißung eines neuen Lebens, des Neuanfangs, für all diejenigen erleuchtet, die zu Ihm kommen! Die Ankündigung dafür lesen wir bereits in Jesaja 49,6: “Er sagte: ‘Es genügt nicht, dass du mein Diener bist, nur um die Stämme Israels wieder aufzurichten und Israel zur Umkehr zu führen. Ich mache dich auch zum Licht für die Völker und zur Rettung für die ganze Welt.‘”

In Johannes 1,1-9 wird Er noch einmal angekündigt: “Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Er war am Anfang bei Gott. Durch ihn wurde alles geschaffen, was ist. Es gibt nichts, was er, das Wort, nicht geschaffen hat. Das Leben selbst war in ihm, und dieses Leben schenkt allen Menschen Licht. Das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit konnte es nicht auslöschen. Gott sandte Johannes den Täufer, um allen Menschen von dem Licht zu erzählen, damit durch ihn alle daran glauben. Johannes selbst war nicht das Licht; er war nur ein Zeuge für das Licht. Der, der das wahre Licht ist, das alle Menschen erleuchtet, sollte erst noch in die Welt kommen.”

Und in Johannes 8,12 bestätigt Jeschua es schließlich selbst: "Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben".

Und nun warten wir auf Seine Wiederkunft, wie Er es versprochen hat! Dann benötigen wir kein Licht mehr, denn Er selbst wird unser Licht sein: “Die Stadt (das neue Jerusalem) braucht keine Sonne und keinen Mond, damit es in ihr hell wird, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet die Stadt, und das Lamm ist ihr Licht” (Jeschua; Offenbarung 21,23)!

Dass die Menora/Chanukkia Jeschua symbolisiert, wird besonders im ersten Kapitel der Offenbarung deutlich, als Jochanan wissen wollte, wer zu ihm sprach: “Ich wandte mich um und wollte sehen, wer zu mir sprach. Da erblickte ich sieben goldene Leuchter (sieben Menorot). In ihrer Mitte stand jemand, der aussah wie der Sohn eines Menschen (Jeschua). Er trug ein langes Gewand und hatte ein breites goldenes Band um die Brust” (Offenbarung 1,12-13).


Die Feier
Obwohl das Fest acht Tage lang dauert, ist es dennoch kein Vollfest, d.h. man geht arbeiten bzw. zur Schule. Doch an jedem Abend werden nach den speziellen Segenssprüchen festlich die Kerze entzündet.

Es soll nicht gefastet werden an diesen Tagen, denn Chanukka ist ein heiteres Fest. Man hat fröhliche Gemeinschaft mit Familie und/oder Freunden, singt viel, erzählt sich Geschichten und genießt gute Speisen, wie zu fast allen biblisch-jüdischen Festen: diesmal in Öl Gebackenes, zur Erinnerung an das Ölwunder! Da sind einmal Latkes – köstliche Kartoffelpuffer, und dann Sufganiot – Krapfen (Berliner) – alles sehr lecker, wenn auch recht kalorienträchtig...!

selbstgemachte Latkes und Apfelmus (das Datum auf dem Foto ist falsch eingestellt)

Gute Mahlzeiten sind im jüdischen Leben, besonders zu den Festen, sehr wichtig. Dahinter steht der seit ewigen Zeiten auf vielen einschlägigen Erfahrungen gründende Gedanke: “Man wollte uns töten. Gott hat eingegriffen. Lasst uns essen!”

Auch die Tradition kommt nicht zu kurz. So gibt es an jedem der 8 Abende für Kinder Geschenke und sogenanntes Chanukkageld, was sich auf einen alten Brauch stützt: Während der Besatzung durften Torahlehrer ihren Beruf natürlich nicht mehr ausüben. Dennoch schickten Eltern ihre Kinder heimlich zum Unterricht und gaben ihnen Geld für die Lehrer mit. Heute werden die Kinder ermutigt, einen Teil des Geldes für wohltätige Zwecke zu spenden.

Ein speziell zu Chanukka gespieltes Familienspiel wird mit dem sogenannten Dreidel (s'wiwon), einem würfelähnlichen Kreisel, gespielt. Es basiert auf der Überlieferung, dass die biblischen Schriften trotz seleukidischer Besatzung viel studiert wurden. Näherte sich eine Patrouille, wurden die Schriften schnell versteckt und man spielte mit dem unverfänglichen Dreidel.

Auf jeder Seite des Kreisels steht ein hebräischer Buchstabe: נ (nun), ג (gimmel), ה (he), ש (schin), die für den Satz “Nes gadol haja scham" stehen. Das heißt auf deutsch "Ein großes Wunder ist dort geschehen.” In Israel findet man statt des "ש" meist den Buchstaben פ (pe), was dann heißt: "Nes gadol haja po" und bedeutet: "Ein großes Wunder ist hier geschehen”!

Man spielt um Süßigkeiten oder Spielgeld (das meist süß ist). Der Kreisel wird gedreht und der jeweilige Buchstabe, der nach oben zeigend liegenbleibt, gibt den Gewinn an:
Beim נ (nun) gewinnt man nichts.
Beim ה (he) gewinnt man den halben Pott.
Beim ג (gimmel) gewinnt man den ganzen Pott.
Beim ש (schin) muss man 2 Münzen in den Pott geben.


Fazit:
Während Chanukka gedenkt man nicht nur der bedeutsamen Makkabäerrevolte, die zur Ehre des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs in religiöser Freiheit endete und eigentlich in sich selbst schon ein Wunder darstellt – sondern es geht um den Triumph des Lichtes über die Dunkelheit, der Reinheit über die Unreinheit.

So wie der Tempel gereinigt und neu geweiht wurde, sollen wir als Gläubige in Jeschua immer daran denken, dass auch wir auf dieser Seite des Lebens der Reinigung bedürfen und uns Ihm immer wieder neu hingeben müssen. Denn im geistlichen Sinne sind wir jetzt ja der Tempel Gottes! Daher ist Chanukka ein Fest, das wir als Christen tatsächlich auch feiern können und meiner Meinung nach sogar sollten, denn wie die von Gott vorgegebenen Feste, so deutet auch Chanukka auf Jeschua, unseren gesalbten Erlöser hin, selbst wenn diese Feier als solche gar nicht von Gott vorgegeben wurde (was m.E. ein weiteres Wunder in sich selbst ist)!


"Festival of Lights" (Lichterfest) von Ted Pearce

Marty Goetz

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